Ramona WonnebergerRamona Wonneberger - Das Leben ist zu kurz zum Ärgern!

 

Anti-Ärger-Blog
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Chefs sind auch nur Idioten

Ein Teilnehmer eines Anti-Ärger-Trainings kam nur wegen diesem Satz auf meinem Werbeprospekt zu mir. Sein Chef hat das auch noch bezahlt. Er sagte mir: "Er ärgert sich seit zehn Jahren schwarz über seinen Chef." Seine Frau hat ihn jetzt auch animiert, zu mir ins Seminar zu kommen, da sie befürchtet, dass ihr Mann irgendwann einen Herzinfarkt bekommt, wenn er sich weiter so sehr ärgert. Ja, ich frage ihn: "Warum ärgern Sie sich denn so über Ihren Chef?" Er sagt: "Ja, das ist ein Idiot. Der kann nicht mit Mitarbeitern umgehen. Der hält sich nicht an seine eigenen Vorgaben und er ist einfach inkompetent." Und ich sage: "Schwierig, schwierig. Das sind nur allgemeine Aussagen. Da kann ich wenig tun, um den Ärger zu beseitigen. Nennen Sie mir ein konkretes Beispiel, wo Sie sich über Ihren Chef geärgert haben." Er sagt: "Ja, zum Beispiel. Wir waren auf der Messe. Chef sagt zu seinen vier Mitarbeitern: Nach der Messe, 18 Uhr, gehen wir gemeinsam hier raus, gehen rüber in die Kneipe und trinken noch Einen gemeinsam auf den erfolgreichen Messetag. Okay, so weit, so gut. 17 Uhr kommt ein guter Kunde vom Chef. Sie fangen an zu plaudern, Chef macht eine Flasche Wein auf und plaudert mit dem Kunden. Seine vier Mitarbeiter stehen am Nebentisch und schauen herüber. Es wird 18 Uhr. Chef macht Witzchen mit seinem Kunden. Chef plant die nächsten Aufträge fürs nächste Jahr, sie verhandeln, sie lachen, sie erzählen privat. Die Mitarbeiter gegenüber werden immer frustrierter. Es wird halb sieben, um sieben. Langsam werden sie ungeduldig und wütend. Chef erzählt weiter über die Einschulung seines Enkels. Der andere Kunde erzählt über die Hochzeit seiner Tochter und sie lachen und erzählen weiter. 21.30 Uhr. Die Mitarbeiter stehen sich seit Stunden am Nebentisch die Füße in den Bauch, sind wütend über ihren Chef. Der ist ja nun wirklich ein Idiot! Erst sagt er wir gehen 18 Uhr rüber, einen saufen und jetzt lässt er uns hier stehen und warten." Und der Teilnehmer aus meinem Seminar sagte: "Ist das nicht eine Frechheit? Als mir meine Kollegen das erzählten, das XXX, inkompetent. Gefühlslos, blind. So kann man doch nicht sein als Chef." Ich fragte ihn: "Moment mal, Sie waren gar nicht dabei?" "Nein, aber meine Kollegen haben mir das erzählt." Ich sage: "Was, Sie ärgern sich noch stellvertretend für Ihre Kollegen mit? Na, das ist ja total toll." Ich sage: "Mein Gott, warum ärgern die sich denn?" Schauen wir uns das doch mal richtig an. Die stehen am Nebentisch und ärgern sich, weil sie feige sind. Wir ärgern uns meistens über uns selbst. Es ist nur viel einfacher, das auf jemand anderes zu projizieren und dem die Schuld für unseren Ärger zu geben, als den bei uns selbst zu suchen. Sie waren einfach nur feige. Keiner von denen vier Kollegen hatte den Mumm in der Hose, rüber zu gehen zu seinem Chef und zu fragen: "Hej Chef, können wir schon mal rüber gehen in die Kneipe? Sie kommen doch dann sicher nach." Glauben Sie, der Chef hätte gesagt: "Nein." Vor seinem Kunden? Und überhaupt: Wieso "nein"? Spätestens 18.30 Uhr wäre ich zum Chef gedackelt und hätte ihm diese Frage gestellt. Aber was machen die Kollegen? Sie stehen am Nebentisch und halten ihren Chef für einen Idioten. "Mein Gott." Ja, und wenn. Chefs dürfen Idioten sein. Und Mitarbeiter dürfen fragen, ob sie schon mal gehen dürfen. Aber wir können uns natürlich auch am Nebentisch hinstellen und völlig ärgerlich sein und immer ärgerlicher werden. Es ändert nichts. Und dann fragte ich ihn: "Er solle doch einmal abschätzen, wie viele Stunden er sich über seinen Chef geärgert hat in den letzten zehn Jahren." Er sagte: "Es gab Wochen da hat er sich den ganzen Tag von früh bis abends geärgert." Wir haben nur einmal überschlagen. Wenn er sich nur wenige Stunden in der Woche über ihn geärgert hätte, da kamen wir auf eine Zahl von mindestens, mindestens 4600 Stunden Ärger über seinen Chef. Und ich frage ihn: "Und, hat es was genützt? Sie haben 4600 Stunden ihr Leben verdorben mit Ärger über Ihren Chef. Sie können nicht gut arbeiten, wenn Sie sich über Ihren Chef ärgern. Sie können nicht gut Kunden betreuen, wenn Sie sich über Ihren Chef ärgern. Und wenn Sie abends ihrer Frau das erzählen, wie idiotisch Ihr Chef ist, können Sie auch nicht das Glas Wein genießen mit Ihrer Frau. Das können Sie vergessen. Ich fragte ihn: "Hätten da nicht auch 500 Stunden gereicht? Hat's was geändert?" Er sagt: "Ja, die eine oder die andere Reaktion von seinem Chef wäre besser geworden." Tja, da hätten wahrscheinlich auch 500 Stunden oder 100 Stunden Ärger genügt, um den Mut zu haben, dem Chef die Sache direkt anzusprechen. Aber wer den Mut nicht hat, muss sich eben weiterärgern. Oder ärgert sich immer weiter. Wenn Sie dazu gehören, entscheiden Sie selbst. Ärgern über einen anderen Menschen oder nicht. Chefs dürfen Idioten sein, Kunden dürfen Idioten sein und auch Mitarbeiter dürfen mal Idioten sein. Und sogar unser Lebenspartner darf mal nen Idiot sein. Wir sind selber manchmal Idioten. Ich bin es jedenfalls manchmal. Und ich bin froh, dass mir nicht jeder gleich nen Strick daraus dreht. Genießen Sie Ihr Leben und seien sie ein bisschen mutig, wenn Ihnen was an Ihren Vorgesetzten stört. Und wenn es gar nicht geht und Sie halten es gar nicht aus, haben Sie immer noch die Möglichkeit, es zu ändern. Drehen Sie sich um und gehen weg, kündigen. Das Leben ist zu kurz, etwas zu tun, was man nicht mag. Und für jemanden zu arbeiten, den man nicht mag. Aber wenn Sie diese Entscheidung nicht treffen wollen oder glauben, nicht treffen zu können, weil Sie Angst haben, was danach wird, dann bleiben Sie dabei. Sie können es akzeptieren, wie Ihr Chef ist oder sich jeden Tag weiter ärgern, was die schlechteste Alternative ist. Aber es ist Ihr Leben. Entscheiden Sie selbst. Viel Spaß dabei. Ihre Ramona Wonneberger